Du oder Sie in übersetzten E-Mails: So wählst und prüfst du die richtige Anrede
Lege die Anrede vor dem Übersetzen fest und prüfe Pronomen, Verben, Bitten und Grußformeln. Mit Beispielen auf Deutsch, Französisch und Spanisch.
Du schreibst eine kurze E-Mail auf Englisch an einen Lieferanten in Lyon und lässt sie von einem Übersetzungstool übersetzen. Das englische „you“ verrät nicht, ob du die Person förmlich oder informell ansprichst. Die französische Fassung muss aber eine der beiden Anreden verwenden. Dasselbe gilt, wenn du eine Nachricht in deiner eigenen Sprache einsprichst und sie in einer anderen Sprache schreiben lässt. Wenn du den Entwurf von Hand nachbearbeitest oder eine Zeile aus einer älteren E-Mail einfügst, können sogar beide Anreden darin stehen.
Hier erfährst du, wie du die Anrede vor dem Übersetzen festlegst, welche Wörter sich mit ihr ändern und wie du einen Entwurf auf Deutsch, Französisch und Spanisch prüfst. Erfundene Beispiele zeigen einen Entwurf mit gemischter Anrede und wie du ihn korrigierst.
Warum ein englisches „you“ zwei richtige Übersetzungen hat
Die Dokumentation von Amazon Translate zur Förmlichkeit nennt ein kurzes Beispiel. „Are you sure?“ hat zwei richtige deutsche Übersetzungen, förmlich Sind Sie sicher? und informell Bist du sicher?. Welche passt, verrät der englische Satz nicht. Laut AWS wirkt sich die Einstellung zur Förmlichkeit auf die Anredepronomen und die passenden Verbformen aus.
Bei manchen Tools kannst du die Anrede vor dem Übersetzen festlegen. Amazon Translate bietet das für eine Liste von Zielsprachen an. Steht deine Zielsprache nicht auf der Liste oder lässt du die Option weg, gilt keine Einstellung zur Förmlichkeit. Auch DeepL bietet für bestimmte Zielsprachen eine förmliche und eine informelle Option an. Stand Oktober 2026 nennt DeepL dafür Deutsch, Französisch, Italienisch, Niederländisch, Polnisch, Portugiesisch, Russisch, Spanisch und Vietnamesisch.
Eine solche Einstellung setzt eine Entscheidung um, die du schon getroffen hast. Ob du einem langjährigen Kollegen oder einem neuen Kunden schreibst, kann sie nicht erkennen. Die Entscheidung bleibt also bei dir.
So wählst du die Anrede vor dem Übersetzen
Es gibt keine Regel, die für jedes Land, jedes Unternehmen und jede Beziehung gilt. Für den Arbeitsalltag in Deutschland schreibt das Goethe-Institut, dass es vom Unternehmen und von der Branche abhängt, ob sich Kollegen mit du oder Sie ansprechen. Die Académie française beschreibt das französische tu als Zeichen enger Vertrautheit und vous als Anrede für Menschen, die du nicht näher kennst oder als ranghöher behandelst. Welche Anrede deine nächste E-Mail braucht, entscheidet diese Beschreibung nicht.
Achte deshalb auf Hinweise aus deiner eigenen Situation. Diese Reihenfolge ist ein praktischer Rat und keine Grammatikregel:
- Halte dich an die Regel deines Teams oder Unternehmens, falls es eine gibt.
- Schau dir an, wie dich der Empfänger in seiner letzten Nachricht angesprochen hat, die nur an dich ging. In E-Mails an mehrere Personen stehen manchmal Pluralformen, die keine Förmlichkeit erkennen lassen. Mehr dazu steht im Abschnitt zu Spanisch weiter unten.
- Such eine freigegebene E-Mail heraus, die dein Team an Empfänger im selben Umfeld und im selben Land geschickt hat.
- Widersprechen sich diese Hinweise oder findest du keine, frag den Empfänger oder einen Kollegen, der die Gepflogenheiten vor Ort kennt.
Notier die Anrede beim Kontakt in deinem Adressbuch. So gehst du bei der nächsten E-Mail von derselben Entscheidung aus.
Die förmliche Anrede ist nicht automatisch die sichere Wahl. Spricht dich ein Kollege schon mit tu an, kann ein plötzliches vous auf ihn distanziert wirken.
Welche Wörter sich mit der gewählten Anrede ändern
Die Anrede zeigt sich in Pronomen, Possessivpronomen, Objektformen und Verben. Die Tabelle nennt häufige Formen in drei Sprachen.
| Sprache | Förmlich | Informell | Ein Verb in beiden Formen |
|---|---|---|---|
| Deutsch | Sie, Ihnen, Ihr, Ihre | du, dich, dir, dein, deine | Sie können, du kannst |
| Französisch | vous, votre, vos | tu, te, toi, ton, ta, tes | vous pouvez, tu peux |
| Spanisch | usted, le, su | tú, te, tu | puede, puedes |
Die Real Academia Española, kurz RAE, erklärt in ihrem Eintrag zu usted, dass sich das spanische usted auf die angesprochene Person bezieht, aber mit Verben in der dritten Person und dem Possessivpronomen su steht. Eine förmliche Bitte kommt manchmal ganz ohne Pronomen aus und enthält nur ein Verb wie puede. Das informelle Possessivpronomen tu hat keinen Akzent, anders als das Pronomen tú.
Bei der Großschreibung im Deutschen lohnt sich ein zweiter Blick. Die förmlichen Anredepronomen Sie und Ihr schreibt man in allen Formen groß. Die informellen Formen du und dein schreibt man normalerweise klein, die amtlichen Regeln der deutschen Rechtschreibung erlauben in Briefen aber auch die Großschreibung. Ein großes Du ist also kein Zeichen für die förmliche Anrede. Achte deshalb auf das Verb daneben. Am Satzanfang kann ein großes Ihr auch das informelle ihr sein, mit dem man mehrere Personen anspricht.
Beispiel: ein Entwurf mit gemischter Anrede und zwei einheitliche Fassungen
Alle folgenden Beispiele sind erfunden und stammen aus keinem bestimmten Tool.
Der englische Ausgangstext:
Thanks for your quick reply. Could you send me your updated quote by Thursday? If you have any questions, just let me know.
Ein deutscher Entwurf, der beide Anreden mischt:
Vielen Dank für deine schnelle Antwort. Könnten Sie mir Ihr aktualisiertes Angebot bis Donnerstag schicken? Wenn du Fragen hast, melde dich gern.
Durchgehend förmlich:
Vielen Dank für Ihre schnelle Antwort. Könnten Sie mir Ihr aktualisiertes Angebot bis Donnerstag schicken? Wenn Sie Fragen haben, melden Sie sich gern.
Durchgehend informell:
Vielen Dank für deine schnelle Antwort. Könntest du mir dein aktualisiertes Angebot bis Donnerstag schicken? Wenn du Fragen hast, melde dich gern.
In beiden Fassungen ändern sich neben dem Pronomen auch ein Possessivpronomen und ein Verb. Korrigierst du im letzten Satz nur du und das Verb dazu, übersiehst aber die Bitte, erhältst du Wenn Sie Fragen haben, melde dich gern. Der Satz ist dann immer noch gemischt, denn melde dich ist informell.
Ein französischer Entwurf, der die Anreden genauso mischt:
Merci pour ta réponse rapide. Peux-tu m'envoyer votre devis mis à jour d'ici jeudi ? Si vous avez des questions, n'hésite pas à m'écrire.
Die korrigierte förmliche Fassung:
Merci pour votre réponse rapide. Pouvez-vous m'envoyer votre devis mis à jour d'ici jeudi ? Si vous avez des questions, n'hésitez pas à m'écrire.
Die Wendung n'hésite pas am Ende enthält kein tu. Nur an der Verbendung erkennst du, dass sie informell ist. Eine Suche nach Pronomen findet sie deshalb nicht.
Auch ein einzelner spanischer Satz kann die Anreden mischen. ¿Puedes enviarme su confirmación? verbindet ein informelles Verb mit dem förmlichen Possessivpronomen. Förmlich lautet der Satz ¿Puede enviarme su confirmación?, informell ¿Puedes enviarme tu confirmación?.
Regionale Formen im Spanischen, Japanisch und weitere Sprachen
Laut demselben Eintrag der RAE ist ustedes im gesamten spanischsprachigen Amerika sowie im Westen Andalusiens und auf den Kanarischen Inseln der Plural für die förmliche und die informelle Anrede. In einer E-Mail an mehrere Personen zeigt es also keine Förmlichkeit an. Der Eintrag der RAE zu vos ergänzt, dass vos in Argentinien, Paraguay und einem Teil Uruguays die informelle Anrede im Singular ist. In Teilen Lateinamerikas, in denen vos und tú im gebildeten Sprachgebrauch nebeneinander bestehen, ist vos meist informell, und tú kann eine mittlere Stufe der Förmlichkeit ausdrücken. Schreibst du an Empfänger in diesen Regionen, frag nach, bevor du tú als informelle Anrede verwendest.
Japanisch funktioniert nicht nach dem Muster von du und Sie. Laut DeepL legt die Option für Japanisch einen höflichen oder einen schlichten Ton fest, und das ist nicht dasselbe wie förmlich und informell. Die Option kann Verbendungen, Pronomen, Höflichkeitsformen und Präfixe vor Nomen ändern. Eine Suche nach Pronomen reicht für eine japanische E-Mail nicht. Frag deshalb jemanden, der geschäftliche E-Mails auf Japanisch schreibt.
Die Liste von DeepL nennt auch Italienisch, Niederländisch, Polnisch und Portugiesisch. Für diese Sprachen bietet dieser Artikel keine Wortlisten. Erstell dir eine eigene Liste, zusammen mit einem Kollegen, der die Sprache fließend spricht, oder anhand einer Grammatik.
So prüfst du eine übersetzte E-Mail vor dem Absenden
Mach diese Prüfung bei jedem übersetzten Entwurf, egal welches Tool ihn geschrieben hat:
- Schreib dir die gewählte Anrede auf, bevor du den Entwurf öffnest.
- Durchsuch den Entwurf nach jedem Wort der anderen Anrede und nimm die Tabelle oben als Ausgangspunkt. Nutz die Suche nach ganzen Wörtern, falls dein Programm sie anbietet. Sonst findet die Suche nach
duauch Wörter wieProdukt. - Lies jede Bitte und jede Anweisung. Schon das Verb kann die Anrede zeigen. Das deutsche
Schick mir das Angebotist auch ohneduinformell, das französischeEnvoie-moi le devisauch ohnetu. - Prüf Possessivpronomen und Objektformen, etwa
IhrunddeinoderIhnenunddirim Deutschen,votreundtonim Französischen undsuundtuim Spanischen. - Lies auch die Begrüßung und die Grußformel. Sie sollten zur selben Beziehung passen wie der übrige Text. Hat dein Unternehmen feste Formulierungen dafür, nimm diese.
- Lies den Entwurf einmal für sich allein. Vergleich ihn danach mit deinem Ausgangstext oder mit dem, was du gemeint hast. So siehst du, ob die Korrektur der Anrede etwas am Inhalt geändert hat.
Die Prüfung funktioniert nur, wenn du die Zielsprache gut lesen kannst. Wenn nicht, bitte einen Kollegen, der die Sprache fließend beherrscht, wichtige E-Mails vor dem Versand zu lesen.
Die E-Mail mit Yappee schreiben und die Anrede prüfen
Mit Yappee kannst du eine Nachricht auf dem iPhone oder Mac in deiner eigenen Sprache aufnehmen, das Format „E-Mail“ wählen und die E-Mail in einer anderen der über 50 unterstützten Sprachen schreiben lassen. Dazu gehören Deutsch, Französisch, Spanisch, Niederländisch, Italienisch, Polnisch, Portugiesisch und Japanisch. Für eine kurze Nachricht an einen Kollegen funktioniert das Format „Chat-Nachricht“ genauso.
So sieht die Routine aus diesem Artikel mit Yappee aus:
- Leg die Anrede vor der Aufnahme fest. Dann weißt du, welche Form im Entwurf stehen soll.
- Nimm die Nachricht auf, wähl das Format „E-Mail“ und lass sie in der Sprache deines Empfängers schreiben.
- Prüf den Entwurf mit den sechs Schritten von oben und korrigier jede gemischte Anrede.
- Füg die E-Mail in dein Mailprogramm ein und schick sie ab.
Dein Empfänger sieht nur die fertige E-Mail. Prüf deshalb vor dem Absenden Pronomen, Verben, Bitten und die Grußformel anhand der Anrede, die du gewählt hast.